Beliebte Posts

Donnerstag, 7. März 2013

Selektive Empörung


Nun ist das Pferdefleisch auch in den Köttbullar angekommen und doch versandet der Skandal wieder, ist nicht mehr aktuell, der Schauder ist wieder abgeklungen. Ilse Aigner lässt man wieder in Ruhe nichts tun.
Eigentlich sollte man aus den Schlagzeilen bestimmter medialer Empörungsheuchler lernen, dass es nicht der rumänische Ackergaul verschuldet hat, dass wir betrogen wurden. Sondern der Konsument selber. Wer billig will, kriegt auch billig. So einfach ist das.
Wie selektiv diese Debatten sind, merkt man erst auf den zweiten Blick. Nicht, dass edle Tiere, für die in anderem Kontext hunderttausende Euro ausgegeben werden, einfach geschlachtet und undeklariert verscherbelt wurden, prägt die Empörung. Nein, man ekelt sich!
Wenn die Augen stets offen wären und mündige Medien berichten würden, wie es ihre verdammte Pflicht wäre, gäbe es jeden Tag, jede Woche Artikel über Antibiotika, Tierquälerei und Betrug in der Lebensmittelindustrie. So lange, bis wir es nicht mehr aushalten, sondern etwas tun.
Es gab aber auch Menschen, denen das Pferdefleisch in der Lasagne gerade recht kam. Reiner Brüderle hat vor Erleichterung sicher erstmal ins  Riesling-Glas geschnauft. Endlich raus aus den Schlagzeilen, endlich die eigene Libido nicht mehr auf dem Prüfstand von Stern und SPIEGEL.
In Wahrheit war man bei ARD und ZDF stolz wie Oskar, dass man das Wort „Hashtag“ jetzt auch kennt und maischbergern konnte über #aufschrei und Sexismus in der Politik.
Dass es den aber nicht nur in der Politik gibt, sondern auch in etablierten Kunstformen, und dass damit Weltrekorde aufgestellt und Stadien gefüllt werden, merkt keiner. Der lupenreine Sexist Mario Barth darf zur Belohnung Werbung machen für frittierte Currywurst. Guten Appetit! Ist bestimmt kein Pferdefleisch drin!
2008 habe ich schon einmal einen Text über die Medienlandschaft geschrieben und es bleibt ist alles beim Alten geblieben, die Themen wechseln, aber die Essenz bleibt.
Die Themen werden eindimensional durchgekaut, Talkshows werden bedeutungsschwanger angepriesen, aber am Ende ist doch nichts gesagt worden. Dass Themen schon da sind, bevor es die Schlagzeilen gibt, interessiert nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen