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Sonntag, 11. November 2012

On The Go 2


Nach dreizehn Stunden Reise mit demselben Start- wie Zielpunkt werden die effizient gepolsterten Sitze härter.
Farben werden nervig. Decke: grau; Wände: Eierschale; Sitze: blau; Boden: dunkelgrau. Der Innenarchitekt wurde bestimmt gut verwahrt.
Ich hoffe, in Karlsruhe gibt es ein gutes Klo.
Meine Beobachtungen gehen immer weiter. Die rechte Hand wird schwarz vor Tinte. Das Schreiben tut gut. Mein Geist bläht sich nicht mehr, sondern furzt sozusagen jeden Gedanken mit dem BIC aufs Papier. Wie viele rote S-Bahnen gibt es hier eigentlich?

Die Sonne habe ich das letzte Mal gesehen, als sie aufging. Jetzt geht sie unter und zeigt sich mir noch einmal. „Bis – hoffentlich – morgen!“

Jetzt scheine ich auch so einer zu werden. „So einer“, der immerzu kritzelt, mit irgendeinem Stift auf irgendeinem Block. Aber eigentlich kann ich das so nicht. Ich brauche meinen Stil. (Dachte ich jedenfalls.) Moleskine, LAMY, und auf geht’s zu den ganz großen Gedanken.
Aber die stehen jetzt kaum leserlich auf einem Brunnen-Block, mit einem BIC geschrieben.
Durchschnitt, nicht Besonderes. Doch geht’s um das Instrument? Ist es nicht der Mensch, auf den es ankommt?

„Was zählt, is auffem Platz!“

Vielleicht taugt ja einer von allen Sätzen dieses Tages dazu, dass sich jemand erinnert.
Aber dafür müsste ihn ja erstmal jemand lesen können.
Der Akku meines unheimlich smarten Phone hält mit Glück bis nach Hause.
Stift und Papier haben keinen Akku.
Zum Glück.

Letzter Zug. Alle Improvisationskünste waren umsonst. Ich bin nur länger gefahren. Saß eine halbe Stunde weniger am Bahnhof rum.
In dieser Zeit habe ich das Leben der Menschen beobachtet. Diese Menschen werde ich nie wieder sehen. Und wenn doch, wird es mir nicht auffallen. Ich könnte diese Menschen zufällig in Waltershofen oder Tokyo wiedersehen und würde es nicht merken, wobei dies doch eine fulminante Zufälligkeit wäre. 

Und wie man so sitzt und schreibt, träufelt ein Album nach dem andern ins Ohr. Ich merke es kaum, dass Songs an mich herankommen, die ich sonst wohl übersprungen hätte.

Meine Reise ist vorbei.

Eigentlich schade.  

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