Nach dreizehn Stunden Reise mit
demselben Start- wie Zielpunkt werden die effizient gepolsterten
Sitze härter.
Farben werden nervig. Decke: grau;
Wände: Eierschale; Sitze: blau; Boden: dunkelgrau. Der
Innenarchitekt wurde bestimmt gut verwahrt.
Ich hoffe, in Karlsruhe gibt es ein
gutes Klo.
Meine Beobachtungen gehen immer weiter.
Die rechte Hand wird schwarz vor Tinte. Das Schreiben tut gut. Mein
Geist bläht sich nicht mehr, sondern furzt sozusagen jeden Gedanken
mit dem BIC aufs Papier. Wie viele rote S-Bahnen gibt es hier
eigentlich?
Die Sonne habe ich das letzte Mal
gesehen, als sie aufging. Jetzt geht sie unter und zeigt sich mir
noch einmal. „Bis – hoffentlich – morgen!“
Jetzt scheine ich auch so einer zu
werden. „So einer“, der immerzu kritzelt, mit irgendeinem Stift
auf irgendeinem Block. Aber eigentlich kann ich das so nicht. Ich
brauche meinen Stil. (Dachte ich jedenfalls.) Moleskine, LAMY, und
auf geht’s zu den ganz großen Gedanken.
Aber die stehen jetzt kaum leserlich
auf einem Brunnen-Block, mit einem BIC geschrieben.
Durchschnitt, nicht Besonderes. Doch
geht’s um das Instrument? Ist es nicht der Mensch, auf den es
ankommt?
„Was zählt, is auffem Platz!“
Vielleicht taugt ja einer von
allen Sätzen dieses Tages dazu, dass sich jemand erinnert.
Aber dafür müsste ihn ja erstmal
jemand lesen können.
Der Akku meines unheimlich smarten
Phone hält mit Glück bis nach Hause.
Stift und Papier haben keinen Akku.
Zum Glück.
Letzter Zug. Alle Improvisationskünste
waren umsonst. Ich bin nur länger gefahren. Saß eine halbe Stunde
weniger am Bahnhof rum.
In dieser Zeit habe ich das Leben der
Menschen beobachtet. Diese Menschen werde ich nie wieder sehen. Und
wenn doch, wird es mir nicht auffallen. Ich könnte diese Menschen
zufällig in Waltershofen oder Tokyo wiedersehen und würde es nicht
merken, wobei dies doch eine fulminante Zufälligkeit wäre.
Und wie man so sitzt und schreibt,
träufelt ein Album nach dem andern ins Ohr. Ich merke es kaum, dass Songs an mich herankommen, die ich sonst wohl übersprungen hätte.
Meine Reise ist vorbei.
Eigentlich schade.
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
AntwortenLöschenDu bist gut. Sehr gut sogar!
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