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Mittwoch, 4. Januar 2012

Kein Gesicht, keine Gestalt


Die Straßenbahn steht bereit. Ich müsste nur einsteigen, drücke auf den Knopf, doch die Tür öffnet sich nicht. Die Bahn fährt ab.
Egal, ich gehe ein Stück, bis zu einer der nächsten Haltestellen. Links von mir Geschäfte, Bäckereien, rechts ein Supermarkt. Je weiter ich gehe, desto näher kommt der Bahnhof. Ich gehe noch einen Umweg, habe jetzt ein wenig Zeit.

Ich gehe auf den Bahnhof zu, die Menschen um mich gehen schneller, beginnen zu laufen, zu rennen. Sie scheinen Angst zu haben, ich verstehe nicht warum.
Schüsse. Jetzt verstehe ich. Ich habe Angst. Menschen gehen zu Boden, ich suche Deckung, Schutz. Immer wieder wird geschossen, die Menschen schreien, ich bin mittendrin, um mich eine Traube Menschen, die flüchten.
Ich sehe nicht, woher das kommt, vor dem ich flüchte; sehe nicht, wer schießt.

Endlich. Ich komme zur Haltestelle, warte kurz, immer noch laufen die Menschen ängstlich umher, das Grauen hat immer noch kein Gesicht, keine Gestalt.
Nun kann ich in die Bahn steigen, nur weg, weg aus der Stadt. Ich wohne in einem Vorort, dort bin ich sicher, nur weg aus der Stadt.
Ich setze mich, nehme mein Handy, bin nervös, schaffe es nicht, in die Nachrichten zu schauen: Ob die Welt schon weiß, was hier passiert; dass etwas passiert ist. Sie weiß es noch nicht.

Ich steige um in den Bus, er bringt mich heim. Ich sitze drin, der Fahrer schaut starr nach vorn, durch die Scheibe, es vergeht zu viel Zeit. Warum fährt er nicht los? Ich will hier weg, endlich weg! Ich werde nervös.
Schüsse. Menschen flüchten. Der Bus steht, fährt nicht los.

Ich wache auf.