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Sonntag, 25. September 2011

Merkels Intimfrisur


Irgendwie komm ich seit jeher nicht drum herum, dass mich unsere Medienlandschaft anödet, gar verärgert. Mein Feindbild hat sich aber gewandelt. War es früher das Privatfernsehen mit seinem Voyeurismus, der einem die Schamesröte ins Gesicht treibt, sind es heute die Printmedien samt ihrem Online-Angebot. Es reicht ein Blick auf Bild.de, und es brodelt in mir. Egal, ob „Riesen-Wirbel um Kloppo“ oder eine entlaufene Kuh oder die Intimfrisur der Bundeskanzlerin (nur so ein Vorschlag).
Moment, mein Fehler! Die Bundeskanzlerin, unsere Königin, bekommt hier ja nur Honig ums Maul geschmiert und auf die Schulter geklopft, wenn sie zur „mächtigsten Frau der Welt“ gekürt wird. Nächste Alternative für diesen Titel wäre wohl Guido Westerwelle gewesen.
Aber ich schweife ab, denn es geht nicht um die Meldungen im Einzelnen, nicht nur um das Gedankengut, was verspritzt wird, sondern auch den Stil, in dem das geschieht.
Beispiel: Das Interview mit einem CSU-Schergen, der in Berlin hoffentlich nie Macht bekommt, Alexander Dobrindt. Ich zitiere die hetzerische Traumkombination zwischen Stichwortgeber und Politprofi:

BamS: Lassen Sie uns über die Wut der Bürger reden, eine Wut, die Sie jüngst am eigenen Leib erfahren haben, als Sie mit Eiern und Tomaten beworfen wurden. Wären Sie am liebsten, wie seinerzeit Helmut Kohl in Halle, auf den Werfer losgegangen?
Dobrindt: (lacht) Ach, auch im Leben eines bayerischen Politikers gibt es vegetarische Momente.

BamS: Hat Wut nicht vor allem mit Enttäuschung zu tun, mit enttäuschten Erwartungen?
Dobrindt: Menschen, die für ihre Anliegen friedlich demonstrieren, sind keine Wutbürger. Anders ist es, wenn jemand in aggressiver Haltung bereit ist, Staat und Gesellschaft anzugreifen. Bei Demonstrationen verstecken die sich übrigens gern hinter grünen Fahnen.

(Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/csu/dobrindt-geht-steil-teil-1-19264010.bild.html)

Dass Dobrindt einen Horizont wie ein Nilpferd hat, wusste ich schon vorher. Aber dass ihm die BILD diese Vorlagen gibt und seine grenzdebilen Parolen auch noch druckt, ist wirklich arm. Was uns vermittelt werden soll, steht zwar zwischen den Zeilen, aber es ist deutlich: Grüne Wähler kloppen unsere armen Polizisten und Vegetarier sind nur Plattform für platte Witze.
Ein Beispiel dafür, wie dialektisch berichtet werden kann.

Ich muss mir mal Dobrindts Facebook-Profil anschauen, könnte mir vorstellen das er mit Sarah Palin befreundet ist. Stefan Mappus wurde ja bestimmt schon mit „gefällt mir nicht mehr“ bestraft.

Samstag, 24. September 2011

Green City wird zu Popetown

Eben durchqurte er die Kaiser-Joseph-Straße, nun spricht er zu den ausgewählten Menschen auf dem Münsterplatz: der Papst. Ganz Freiburg steht unter dem Eindruck, erfreut und skeptisch.

Diese Stunden und Minuten haben sich lang angekündigt, ich habe mir die Mühe gemacht mal ein paar Veränderungen festzuhalten. Alles für einen 84-jährigen Katholiken.



Damit keiner Vergisst, dass wir die grünste Autofahrerstadt in Deutschland sind
Audi-Werkswagen, wie ich später im TV sah, werden diese Autos für wichtige Menschen genutzt
Der Altar, 1 Million € teuer
Das Mediendorf an der Messe

Die Polizei bringt sich in Stellung, falls der Papst was mitgehen lassen will

Nach diesem Besuch droht der Stadt eine große Leere, so konsequent wurde alles darauf ausgerichtet.

Donnerstag, 22. September 2011

"Erweitere deinen Wortspatz"




Ich habe den „Simpsons“ weit mehr zu verdanken als lustige Sprüche (der im Titel stammt von Homer). Sie haben mich seit meiner Kindheit geprägt, meist positiv, manchmal negativ.

Man nehme nur mal die politischen Botschaften. Wer aufmerksam zuschaut und -hört, findet immer wieder Seitenhiebe gegen konservative Schichten und Parteien. Die amerikanischen Republikaner bekommen in schöner Regelmäßigkeit ihr Fett weg – und nicht zu knapp.

Sei es, dass die Springfielder Parteisitzungen im Schloß von Graf Dracula abgehalten werden, oder dass nur Wohlhabende, Industrielle und Übergewichtige als Mitglieder gezeigt werden. Wer da noch konservativ wird, muss ziemlich schwer von Begriff sein.

Die Politik ist aber nur der Anfang. Homer zeigt auch hautnah, wie die Welt eines Alkoholikers aussehen kann. Dabei schwankt er immer zwischen Abschreckung und Verharmlosung. Mir hat dieses Verhalten das Bier nahe gebracht. Dieses Getränk hatte durch die Simpsons von Anfang an bei mir einen Stein im Brett – nicht zu unrecht, wie ich im Nachhinein feststellen möchte. Gleichzeitig hat mir Homers Beispiel ein bisschen das Rechte Maß vermittelt.

Immer wieder leidet die Ehe zwischen Homer und Marge unter der Alkoholsucht. Diese Ehe sendet aber auch Botschaften. Vom Vergeben, Lieben und Leben, trotz schwerer Schläge und harter Konflikte. Eine romantische Sicht auf die Liebe in unserer Gesellschaft, vielleicht zu romantisch, aber schön, vor allem in der allgegenwärtigen Seichtigkeit.

Auf diese Art liefern fast alle Charaktere dieser Serie moralische oder politische Ansichten, über die man nachdenken sollte: Lisa ist für den Vegetarismus, Moe macht aufmerksam auf suizidgefährdete Menschen und ihr Seelenleben, Krusty zeigt die Abgründe des Showgeschäfts und so weiter.
Der abwechselnd derbe, subtile und alberne Humor gibt seinen Teil dazu, dass man diese Botschaften nicht Duff-Bier-ernst sehen muss, sondern auch einfach über die tollen Witze lachen kann.

Ich will nicht mehr draus machen, als da ist, aber für mich sind die Simpsons schon lange wichtig: als Spiegel der (amerikanischen) Gesellschaft und als ein kleiner Ratgeber für das Leben. Und apropos „Spiegel“: Eine ähnliche Liebeserklärung hat darin vor ein paar Jahren ein hochkarätigerer Schreiber als ich abgeliefert. Kann also nicht ganz falsch sein.