Auf dem ZDF läuft „Drei Engel für Charlie“, eigentlich egal, aber wir sitzen da an einem Couchtisch und spielen Poker. Es wird geraucht, Bier getrunken und gesprochen über das, was interessiert: Fahrradteile, Frauen, Poker.
Scheiß auf Cameron Diaz.
Leider ist diese Idylle sehr trügerisch, weil die letzte Szene dieser Art drei Jahre her ist. Ich trauere solchen Abenden jetzt nach (das gebe ich zu). Ganz im Stile der Generation 70+, die gern sagt: „Früher...“ und so weiter.
Der Punkt hier ist aber, ob es richtig ist zu trauern, richtig ist, solche Situationen, so hemdsärmlig sie sind, wiederhaben zu wollen.
Selbst ich vergesse dann, dass ich über diese Zeit, genau wie ich hier sitze und Ferien habe, nun schreiben kann, wehmütig auf sie zurückschaue. Wie toll es war, als mein MacBook noch funktionierte oder ich noch alle Finger an der Hand hatte oder so jung war. Man kann nicht wissen, welcher Sache man dann nachtrauern wird, weil man nicht weiß, was einem später fehlen wird...
Aber im Grunde ist das nur das Argument dafür, alles was man erlebt, jede Zeit, jede Lebensphase, so gut zu genießen, wie man kann. Dann kann man zufrieden zurückschauen und das mitnehmen, was man schätzt.
Samstag, 5. November 2011
Mittwoch, 2. November 2011
Sonderzug nach Alltag
Sieben Uhr, junge Menschen reden, ältere schweigen.
Dieser lange Kasten aus Glas, Stahl und dreckigen Polstern, genannt Bus.
Gesichter erzählen, dass man keine Lust hat, müde ist. Die Münder zusammengekniffen, die Augen meist geschlossen, der Blick streng.
Das Fahrzeug quält sich über die Landstraße, draußen zieht im Dunkeln das Land vorbei.
Wir werden deportiert – in den Alltag.
Diese 20 Minuten - wenn die Türen nicht zugehen, gern auch 30 - sind erstmal die letzten, in denen man für sich sein kann.
Die private Zone in dieser Enge wird begrenzt durch die Kopfhörer der iPhones und anderer Spielzeuge.
Endhaltestelle.
Umsteigemöglichkeit, wohin man will. Theoretisch.
Dieser lange Kasten aus Glas, Stahl und dreckigen Polstern, genannt Bus.
Gesichter erzählen, dass man keine Lust hat, müde ist. Die Münder zusammengekniffen, die Augen meist geschlossen, der Blick streng.
Das Fahrzeug quält sich über die Landstraße, draußen zieht im Dunkeln das Land vorbei.
Wir werden deportiert – in den Alltag.
Diese 20 Minuten - wenn die Türen nicht zugehen, gern auch 30 - sind erstmal die letzten, in denen man für sich sein kann.
Die private Zone in dieser Enge wird begrenzt durch die Kopfhörer der iPhones und anderer Spielzeuge.
Endhaltestelle.
Umsteigemöglichkeit, wohin man will. Theoretisch.
Sonntag, 30. Oktober 2011
Schaffenskrise
Eigentlich will ich was schreiben. Aber die Wand, gegen die ich laufe, wenn ich meine Windungen verkrampfe, um mir ein Thema rauszupressen, ist hoch und besteht aus dem trashigen Vampirfilm im Fernsehen und meiner Erwartung, etwas zu schaffen, was die Leute beeindruckt.
Dieser Satz war schon mal wieder ein guter Anfang. Ich meine, es gibt X Themen, über die man sich aufregen könnte: die BILD, CDU und andere verräterische Buchstabenkombinationen liefern Vorlagen.
Der Scheiß-Vampir! Zieht mir Hirn & Konzentration raus.
Aber was ich wirklich will, ist, Sachen zu schreiben, die witzig sind und zum Denken anregen. Doch es will nicht kommen zur Zeit, drei Jahre ist es her, dass ich den letzten Text geschrieben habe, der das war, was ich will. Ein Schlag ins Gesicht, ein eiskalter Fünf-Kilo-Karpfen in den Nacken gedonnert: DAS will ich machen!
Aber versuchen werde ich es weiter.
Aber versuchen werde ich es weiter.
Sonntag, 25. September 2011
Merkels Intimfrisur
Irgendwie komm ich seit jeher nicht drum herum, dass mich unsere Medienlandschaft anödet, gar verärgert. Mein Feindbild hat sich aber gewandelt. War es früher das Privatfernsehen mit seinem Voyeurismus, der einem die Schamesröte ins Gesicht treibt, sind es heute die Printmedien samt ihrem Online-Angebot. Es reicht ein Blick auf Bild.de, und es brodelt in mir. Egal, ob „Riesen-Wirbel um Kloppo“ oder eine entlaufene Kuh oder die Intimfrisur der Bundeskanzlerin (nur so ein Vorschlag).
Moment, mein Fehler! Die Bundeskanzlerin, unsere Königin, bekommt hier ja nur Honig ums Maul geschmiert und auf die Schulter geklopft, wenn sie zur „mächtigsten Frau der Welt“ gekürt wird. Nächste Alternative für diesen Titel wäre wohl Guido Westerwelle gewesen.
Aber ich schweife ab, denn es geht nicht um die Meldungen im Einzelnen, nicht nur um das Gedankengut, was verspritzt wird, sondern auch den Stil, in dem das geschieht.
Beispiel: Das Interview mit einem CSU-Schergen, der in Berlin hoffentlich nie Macht bekommt, Alexander Dobrindt. Ich zitiere die hetzerische Traumkombination zwischen Stichwortgeber und Politprofi:
Dobrindt: (lacht) Ach, auch im Leben eines bayerischen Politikers gibt es vegetarische Momente.
BamS: Hat Wut nicht vor allem mit Enttäuschung zu tun, mit enttäuschten Erwartungen?
Dobrindt: Menschen, die für ihre Anliegen friedlich demonstrieren, sind keine Wutbürger. Anders ist es, wenn jemand in aggressiver Haltung bereit ist, Staat und Gesellschaft anzugreifen. Bei Demonstrationen verstecken die sich übrigens gern hinter grünen Fahnen.
(Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/csu/dobrindt-geht-steil-teil-1-19264010.bild.html)
Dass Dobrindt einen Horizont wie ein Nilpferd hat, wusste ich schon vorher. Aber dass ihm die BILD diese Vorlagen gibt und seine grenzdebilen Parolen auch noch druckt, ist wirklich arm. Was uns vermittelt werden soll, steht zwar zwischen den Zeilen, aber es ist deutlich: Grüne Wähler kloppen unsere armen Polizisten und Vegetarier sind nur Plattform für platte Witze.
Ein Beispiel dafür, wie dialektisch berichtet werden kann.
Ich muss mir mal Dobrindts Facebook-Profil anschauen, könnte mir vorstellen das er mit Sarah Palin befreundet ist. Stefan Mappus wurde ja bestimmt schon mit „gefällt mir nicht mehr“ bestraft.
Samstag, 24. September 2011
Green City wird zu Popetown
Eben durchqurte er die Kaiser-Joseph-Straße, nun spricht er zu den ausgewählten Menschen auf dem Münsterplatz: der Papst. Ganz Freiburg steht unter dem Eindruck, erfreut und skeptisch.
Diese Stunden und Minuten haben sich lang angekündigt, ich habe mir die Mühe gemacht mal ein paar Veränderungen festzuhalten. Alles für einen 84-jährigen Katholiken.
Nach diesem Besuch droht der Stadt eine große Leere, so konsequent wurde alles darauf ausgerichtet.
Diese Stunden und Minuten haben sich lang angekündigt, ich habe mir die Mühe gemacht mal ein paar Veränderungen festzuhalten. Alles für einen 84-jährigen Katholiken.
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| Damit keiner Vergisst, dass wir die grünste Autofahrerstadt in Deutschland sind |
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| Audi-Werkswagen, wie ich später im TV sah, werden diese Autos für wichtige Menschen genutzt |
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| Der Altar, 1 Million € teuer |
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| Das Mediendorf an der Messe |
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| Die Polizei bringt sich in Stellung, falls der Papst was mitgehen lassen will |
Donnerstag, 22. September 2011
"Erweitere deinen Wortspatz"
Ich habe den „Simpsons“ weit mehr zu verdanken als lustige Sprüche (der im Titel stammt von Homer). Sie haben mich seit meiner Kindheit geprägt, meist positiv, manchmal negativ.
Man nehme nur mal die politischen Botschaften. Wer aufmerksam zuschaut und -hört, findet immer wieder Seitenhiebe gegen konservative Schichten und Parteien. Die amerikanischen Republikaner bekommen in schöner Regelmäßigkeit ihr Fett weg – und nicht zu knapp.
Sei es, dass die Springfielder Parteisitzungen im Schloß von Graf Dracula abgehalten werden, oder dass nur Wohlhabende, Industrielle und Übergewichtige als Mitglieder gezeigt werden. Wer da noch konservativ wird, muss ziemlich schwer von Begriff sein.
Die Politik ist aber nur der Anfang. Homer zeigt auch hautnah, wie die Welt eines Alkoholikers aussehen kann. Dabei schwankt er immer zwischen Abschreckung und Verharmlosung. Mir hat dieses Verhalten das Bier nahe gebracht. Dieses Getränk hatte durch die Simpsons von Anfang an bei mir einen Stein im Brett – nicht zu unrecht, wie ich im Nachhinein feststellen möchte. Gleichzeitig hat mir Homers Beispiel ein bisschen das Rechte Maß vermittelt.
Immer wieder leidet die Ehe zwischen Homer und Marge unter der Alkoholsucht. Diese Ehe sendet aber auch Botschaften. Vom Vergeben, Lieben und Leben, trotz schwerer Schläge und harter Konflikte. Eine romantische Sicht auf die Liebe in unserer Gesellschaft, vielleicht zu romantisch, aber schön, vor allem in der allgegenwärtigen Seichtigkeit.
Der abwechselnd derbe, subtile und alberne Humor gibt seinen Teil dazu, dass man diese Botschaften nicht Duff-Bier-ernst sehen muss, sondern auch einfach über die tollen Witze lachen kann.
Ich will nicht mehr draus machen, als da ist, aber für mich sind die Simpsons schon lange wichtig: als Spiegel der (amerikanischen) Gesellschaft und als ein kleiner Ratgeber für das Leben. Und apropos „Spiegel“: Eine ähnliche Liebeserklärung hat darin vor ein paar Jahren ein hochkarätigerer Schreiber als ich abgeliefert. Kann also nicht ganz falsch sein.
Sonntag, 24. Juli 2011
Wochenende der Heart-Breaking News
Der Mann des Wortes will nichts sagen, er muss.
Ein Massaker mit fast 100 Toten, und ein A-Promi stirbt im Rausch. Und die Medienlandschaft leckt sich bei diesen Wahnsinnsnews die Finger nach Quoten und Auflagen.
Was in Norwegen geschah, ist wohl schwer zu übertreffen an Grausamkeit und Menschenverachtung, aber es war fast unmöglich zu verhindern.
Der blonde Mörder handelte nach geltendem Recht, er kaufte Dünger und besaß Waffen, und beides war ihm erlaubt. Nur für seine Gedanken, denn nur dort gab es dieses Verbrechen bisher, hätte ihn niemand verurteilen können.
Mit anderen Amokläufer, auch den Deutschen anno 2002 und 2009, hat er eine offenbar markante Gemeinsamkeit: Videospiele bei denen man Menschen tötet.
Dass auch Breivik diese Spiele spielte ist kein Verbrechen, es gehörte zu seinem akribischen Training.
Das schockierende daran ist etwas Anderes, nämlich das Armutszeugnis für unsere moralischen Instanzen, dass sie in Videospielen immer wieder den Grund für solche Taten suchen. Es gibt keinen einzelnen Grund, den jeder verstehen kann. Das Verteufeln neuer Medien befriedigt nur konservative Schichten, die nach dem Motto: "Dieses neue Zeug" urteilen und weder offen, noch tolerant sind, für kulturelle Entwicklungen wie das Videospiel.
Das neue Mitglied im Club der 27-jährigen Feuilleton-Märtyrer: Das ist ebenfalls eine Tragödie. Natürlich gibt es in jeder Großstadt im Abstand von Tagen solche Todesfälle, trauern darf man trotzdem. Denn Amy ......
Miss Winehouse konnte einem schon vorher leid tun. Der Boulevard, ganz besonders der verrohte englische, konnte sich nie entscheiden, ob die Sorge um ihre Gesundheit und Psyche wichtiger sein sollte oder der voyeuristisch erregte Blick auf die schlüpfrigen Details ihrer Eskapaden mit anschließender Verteufelung derselben.
An beiden aktuellen Beispielen kann man klar sehen, dass manche Medien Fakten so verwenden, wie es ihnen die meiste Auflage, Quote und Aufmerksamkeit bringt.
Murdoch, BILD und n-tv(bzw. RTL) bieten sich immer wieder als Beweis dafür an, dass es so ist.
Ein Massaker mit fast 100 Toten, und ein A-Promi stirbt im Rausch. Und die Medienlandschaft leckt sich bei diesen Wahnsinnsnews die Finger nach Quoten und Auflagen.
Was in Norwegen geschah, ist wohl schwer zu übertreffen an Grausamkeit und Menschenverachtung, aber es war fast unmöglich zu verhindern.
Der blonde Mörder handelte nach geltendem Recht, er kaufte Dünger und besaß Waffen, und beides war ihm erlaubt. Nur für seine Gedanken, denn nur dort gab es dieses Verbrechen bisher, hätte ihn niemand verurteilen können.
Mit anderen Amokläufer, auch den Deutschen anno 2002 und 2009, hat er eine offenbar markante Gemeinsamkeit: Videospiele bei denen man Menschen tötet.
Dass auch Breivik diese Spiele spielte ist kein Verbrechen, es gehörte zu seinem akribischen Training.
Das schockierende daran ist etwas Anderes, nämlich das Armutszeugnis für unsere moralischen Instanzen, dass sie in Videospielen immer wieder den Grund für solche Taten suchen. Es gibt keinen einzelnen Grund, den jeder verstehen kann. Das Verteufeln neuer Medien befriedigt nur konservative Schichten, die nach dem Motto: "Dieses neue Zeug" urteilen und weder offen, noch tolerant sind, für kulturelle Entwicklungen wie das Videospiel.
Das neue Mitglied im Club der 27-jährigen Feuilleton-Märtyrer: Das ist ebenfalls eine Tragödie. Natürlich gibt es in jeder Großstadt im Abstand von Tagen solche Todesfälle, trauern darf man trotzdem. Denn Amy ......
Miss Winehouse konnte einem schon vorher leid tun. Der Boulevard, ganz besonders der verrohte englische, konnte sich nie entscheiden, ob die Sorge um ihre Gesundheit und Psyche wichtiger sein sollte oder der voyeuristisch erregte Blick auf die schlüpfrigen Details ihrer Eskapaden mit anschließender Verteufelung derselben.
An beiden aktuellen Beispielen kann man klar sehen, dass manche Medien Fakten so verwenden, wie es ihnen die meiste Auflage, Quote und Aufmerksamkeit bringt.
Murdoch, BILD und n-tv(bzw. RTL) bieten sich immer wieder als Beweis dafür an, dass es so ist.
Donnerstag, 3. Februar 2011
Willkommen auf dem Mond

Sam Bell (Sam Rockwell) ist schon fast drei Jahre allein auf dem Mond. Er ist Angestellter eines Weltkonzerns, der auf dem Mond eine höchst wertvolle Energiequelle abbaut, ein angebliches "Helium 3". Zu Beginn des Films sind es noch zwei Wochen, bis Sam auf die Erde zurückkehren darf.
Kontakt zu seiner Frau, seiner Familie und dem Arbeitgeber hat er bisher nur über verzögerte Videobotschaften gehabt.
Sam wird betreut und unterstützt von GERTY, dem intelligenten Bordcomputer der Raumstation (Kevin Spacey in einer Sprechrolle). Die künstliche Intelligenz ist die einzige äußere Instanz, zu der Sam eine Art Kontakt hat - bis er bei einer Kontrollfahrt einen anderen Menschen entdeckt: einen gewissen Sam Bell.
Sam Bell?! Der Zuschauer wird in die MOON-Welt gezogen, in der offensichtlich aus dem Nichts Doppelgänger auftauchen....
Und bald muss jeder sich mit einer Anti-Utopie auseinandersetzen, in der ein Weltkonzern irgendwo im Weltraum Klone mit Selbstzerstörungsmodus jahrelang schuften lässt.
MOON fasziniert. Ich bedaure ernsthaft, dass ich ihn im Kino verpasst habe, denn seine Bilder kommen am heimischen Fernseher natürlich nicht so beeindruckend rüber. Duncan Jones´ Film ist krasse Science-Fiction und deshalb ein Drama über die existenzielle Frage: wo will die Menschheit hin?
Wer sich auf den Film einlässt und eintaucht in diese virtuos inszinierte Welt, wird von jedem Element überzeugt: Soundtrack, Kamera, Spiel. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass es keine Action gibt und auch das ein oder andere Tränchen fließen kann.
Also wagt die Reise auf den Mond, lasst euch fesseln, aber macht es euch nicht zu bequem.
Inzwischen ist MOON auf DVD erhältlich.
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