Der Mann des Wortes

Donnerstag, 5. April 2012

Wurstmuffin - Im Spiegel

Sonntag, ich entspanne mich nochmal. Blättere durch die Prospekte aus dem Briefkasten, Edeka verscherbelt wieder massig SUPER-KNÜLLER. Und dann haben wir unser erstes Treffen, der Wurstmuffin und ich.
WÄH! Leute, was ist denn hier los? Wir quetschen klein gehäckseltes Flei... WAS AUCH IMMER in eine Muffinform aus Alu und nennen das WURSTMUFFIN!? WIE BITTE?
Ich mein, okay. Jeder, der das isst, sieht irgendwann aus wie ein Wurstmuffin mit Haaren, wird im Gichtanfall noch schimpfen, dass der Schweinebauch für 33 Cent das Kilo zäh ist – dürfte also eh nicht zur geistigen Elite gehören. Aber wie mental verrottet (sorry, Malmsheimer) muss mensch sein, um solchen Dreck zu verkaufen? Antibiotika-Huhn aus Italien, Fleischkäse-Cordon-Bleu, und der nächste Streich folgt sogleich!
Doch kann man so was wirklich wollen? So lange schlingen und den Kopf ausschalten, Artikel ignorieren über Tierquälerei, Medikamentencocktails in der Hühnerbrust und Kackbakterien – tschuldigung, Escherichia coli –, die zuerst mal auf dem Grill weggebrannt werden müssen?
Ich kann das alles nicht ignorieren. Ich habe eine Brille, ich muss sehen, was in dieser Welt vor sich geht. Und wenn, dann genieße ich lieber ein faires Steak, von Tieren, die wenigstens ein gutes Leben hatten. Es ist seltener geworden, aber dafür besser.
Dann werde ich auch keine Angst haben müssen vor einem Wurstmuffin-Gesicht im Spiegel...

Sonntag, 25. März 2012

Smart - aber nicht gläsern

Ich gebe es zu, ich habe ein Smartphone! Und ich gebe es zu, ich finde es toll!
Ja, ich bin ständig erreichbar! Und ich habe aufgehört zu zählen, auf wie viele Arten ich erreichbar bin.
Ich beantworte Mails, nehme Fotos auf, höre Musik, plane Termine, verlagere mein Leben in dieses Gerät und lasse es verwalten.

Warum ich das sage? Weil ich immer wieder höre, dass es doch eigentlich schlimm sei, ständig online zu sein, immer erreichbar zu sein.
Aber ich sage: Nein! Es ist nicht schlimm! Es ist genauer gesagt, nur so schlimm, wie man es selber dazu macht.
Ich finde es praktisch, dass ich mich unterstützen lasse, wenn ich schon unterwegs bin, meine Pflichten erfülle, an vieles denken muss.. Ich lasse mir sagen „HEUTE: Räuchertofu kaufen“, empfange Mails für meinen Nebenjob und trage die Termine gleich ein (und lasse mich auch an sie erinnern).
Der Trick dabei ist, die Grenze zu kennen.

„Smart, aber nicht gläsern“ will ich sie nennen, und bei „gläsern“ wird sie überschritten.
Durchsichtig macht man sich zum Beispiel, wenn man online ist, um anderen mitzuteilen, was man macht, egal was, egal wann, egal ob es die Empfänger interessiert.

Leider muss man sich aber gläsern machen, wenn man die diversen Vorzüge nutzen will. Man muss sich entscheiden, vor welchem Weltkonzern man die Hosen runterlässt.
Apple, Google und nun auch Microsoft legen die Daumenschrauben an, wenn man smart sein will. Alter, Geschlecht, Musikgeschmack und anderes wird mehr oder weniger direkt erfragt, und man kann mit keiner Logik der Welt vorhersehen, was damit passiert.

Leider stirbt das Smartphone ohne Charakterscan aus. Ich habe noch eins bekommen, aber es wollte auch niemand anderes es wirklich haben.
Um mein Leben smart zu machen, musste ich nur meine Mailadresse und meine Handynummer verraten.

Ich möchte eigentlich, dass es auf keinen Fall mehr sein darf.

In diesem Sinne: macht euch nicht gläsern!

Mittwoch, 4. Januar 2012

Kein Gesicht, keine Gestalt


Die Straßenbahn steht bereit. Ich müsste nur einsteigen, drücke auf den Knopf, doch die Tür öffnet sich nicht. Die Bahn fährt ab.
Egal, ich gehe ein Stück, bis zu einer der nächsten Haltestellen. Links von mir Geschäfte, Bäckereien, rechts ein Supermarkt. Je weiter ich gehe, desto näher kommt der Bahnhof. Ich gehe noch einen Umweg, habe jetzt ein wenig Zeit.

Ich gehe auf den Bahnhof zu, die Menschen um mich gehen schneller, beginnen zu laufen, zu rennen. Sie scheinen Angst zu haben, ich verstehe nicht warum.
Schüsse. Jetzt verstehe ich. Ich habe Angst. Menschen gehen zu Boden, ich suche Deckung, Schutz. Immer wieder wird geschossen, die Menschen schreien, ich bin mittendrin, um mich eine Traube Menschen, die flüchten.
Ich sehe nicht, woher das kommt, vor dem ich flüchte; sehe nicht, wer schießt.

Endlich. Ich komme zur Haltestelle, warte kurz, immer noch laufen die Menschen ängstlich umher, das Grauen hat immer noch kein Gesicht, keine Gestalt.
Nun kann ich in die Bahn steigen, nur weg, weg aus der Stadt. Ich wohne in einem Vorort, dort bin ich sicher, nur weg aus der Stadt.
Ich setze mich, nehme mein Handy, bin nervös, schaffe es nicht, in die Nachrichten zu schauen: Ob die Welt schon weiß, was hier passiert; dass etwas passiert ist. Sie weiß es noch nicht.

Ich steige um in den Bus, er bringt mich heim. Ich sitze drin, der Fahrer schaut starr nach vorn, durch die Scheibe, es vergeht zu viel Zeit. Warum fährt er nicht los? Ich will hier weg, endlich weg! Ich werde nervös.
Schüsse. Menschen flüchten. Der Bus steht, fährt nicht los.

Ich wache auf.

Sonntag, 1. Januar 2012

Hallo 2012!


Dein Vorgänger 2011 war ein komischer Geselle.
Er hat uns vieler Menschen beraubt, die Nachrichten gemacht haben, Geschichte geschrieben haben, welcher Art auch immer.
Er brachte Ereignisse hervor, die die Welt verändert haben und es auch bei dir und deinen Nachfolgern tun werden. Dass unser Land mal wieder die Atomkraft abwrackt, wird erst der Kollege 2022 richtig zu spüren bekommen.
2001 wird aus dem Exil beobachtet haben, dass Osama Bin Laden ermordet wurde. Was es sich dabei gedacht hat, wüsste ich gern.
Und du, 2012? Was bringste mit?
Tod, Zerstörung, Krieg und das Dschungelcamp sind ja selbstverständlich, danach brauch’ ich gar nicht zu fragen. Aber was sonst noch?
Die Zeit wird es zeigen… Hoffen wir das Beste.

In diesem Sinne

Dein
Mann des Wortes

Montag, 28. November 2011

Zurück zum Bier - eine Widergabe

Der Sonntag ist eigentlich nicht zum Arbeiten gedacht. Ich setzte mich darüber hinweg und nahm an einem Kurs teil, um ein Festbier zu brauen. Ich unterstütze das Ganze noch mit ein paar Bildern.
Ein Geburtstagsgeschenk, Danke an dieser Stelle nochmal.

Wie braut man also ein Bier? Besser gesagt, wie stellt man eine Stammwürze für ein Bier her?
Es beginnt alles mit Wasser, viel Wasser. Dieser gibt man die Schüttung bei, eine recht große Menge geschrotetem Malz. Dann wird aus Wasser eine Maische.

Die Maische

Man unterschätzt leicht, was für eine große Rolle Temperaturen bei dieser Herstellung spielen. Zum Glück gab man mir und den anderen Kursteilnehmern kompetente Anleitung, doch dazu später mehr.
Das Gemisch sollte nun bei einer bestimmten Temperatur ziehen und ständig gerührt werden.
Wurden einige kleine Zwischenschritte durchgeführt, konnte man das Gemisch, die Maische, umfüllen. Das nennt sich Läutern und dient dem Filtern der Maische, es kommt eine dunkle, aber klare Flüssigkeit heraus.

Das Läutern beginnt.
Das Läutern in vollem Gange

Unterbrochen von kleinen Pausen mit hervoragendem fränkischen Leberkäse und noch besseren Festbier vom Fass, kocht man nun die Stammwürze, es wird eine kleine Menge Hopfen beigegeben und sehr lange gekocht. So, wie ich es verstanden habe könnte man in dieser Phase auch noch Geschmackszutaten beigeben, wie Röstmalz oder Gewürze.

Der Weg zur Stammwürze

Leider, muss man sagen, wird die Stammwürze nun nur noch abgekühlt, dann ist sie fertig.
Was passiert jetzt damit? Der Eimer mit sechs Litern Stammwürze steht nun in meinem Keller, ich habe noch Hefe zugegeben um die Hauptgärung zu starten, in zehn Tagen fülle ich in Flaschen ab und lasse es in diesen nochmal vier Wochen gären.
Ich freue mich schon sehr auf mein Ergebnis.

Mein Anteil der Beute

Was noch erwähnt werden muss:
Dieser Kurs wurde von dem erfahrenen Hausbrauer Walter Simon durchgeführt. Ich möchte nochmals danken für die fachkundige Anleitung und das freundliche Auftreten. Ich habe viel gelernt über Bier, Produktionsvorgänge, Inhaltsstoffe, regionale Unterschiede und vieles mehr. Deswegen möchte ich auch nicht zuviel von dem Rezept preis geben.
Ich kann jedem solche Veranstaltungen nur ans Herz legen, ich möchte wieder teilnehmen, aber nicht allein.

Webseite von Walter Simon: www.ladidel.de

Samstag, 5. November 2011

Sind wir nicht alle ein bisschen Oma?

Auf dem ZDF läuft „Drei Engel für Charlie“, eigentlich egal, aber wir sitzen da an einem Couchtisch und spielen Poker. Es wird geraucht, Bier getrunken und gesprochen über das, was interessiert: Fahrradteile, Frauen, Poker.
Scheiß auf Cameron Diaz.

Leider ist diese Idylle sehr trügerisch, weil die letzte Szene dieser Art drei Jahre her ist. Ich trauere solchen Abenden jetzt nach (das gebe ich zu). Ganz im Stile der Generation 70+, die gern sagt: „Früher...“ und so weiter.
Der Punkt hier ist aber, ob es richtig ist zu trauern, richtig ist, solche Situationen, so hemdsärmlig sie sind, wiederhaben zu wollen.

Selbst ich vergesse dann, dass ich über diese Zeit, genau wie ich hier sitze und Ferien habe, nun schreiben kann, wehmütig auf sie zurückschaue. Wie toll es war, als mein MacBook noch funktionierte oder ich noch alle Finger an der Hand hatte oder so jung war. Man kann nicht wissen, welcher Sache man dann nachtrauern wird, weil man nicht weiß, was einem später fehlen wird...
Aber im Grunde ist das nur das Argument dafür, alles was man erlebt, jede Zeit, jede Lebensphase, so gut zu genießen, wie man kann. Dann kann man zufrieden zurückschauen und das mitnehmen, was man schätzt.

Mittwoch, 2. November 2011

Sonderzug nach Alltag

Sieben Uhr, junge Menschen reden, ältere schweigen.
Dieser lange Kasten aus Glas, Stahl und dreckigen Polstern, genannt Bus.
Gesichter erzählen, dass man keine Lust hat, müde ist. Die Münder zusammengekniffen, die Augen meist geschlossen, der Blick streng.
Das Fahrzeug quält sich über die Landstraße, draußen zieht im Dunkeln das Land vorbei.
Wir werden deportiert – in den Alltag.
Diese 20 Minuten - wenn die Türen nicht zugehen, gern auch 30 - sind erstmal die letzten, in denen man für sich sein kann.
Die private Zone in dieser Enge wird begrenzt durch die Kopfhörer der iPhones und anderer Spielzeuge.

Endhaltestelle.
Umsteigemöglichkeit, wohin man will. Theoretisch.